Das kulturelle Phänomen der französischen Mittagspause
Die Mittagspause ist in Frankreich seit mehr als einem Jahrhundert heilig. Das Essen auf der Arbeit war selbst nach dem französischen Arbeitsgesetzbuch illegal. Doch im Februar 2021 setzte Frankreich das Gesetz wegen des COVID-19-Lockdowns aus. Die berühmte kulturelle Tradition wäre also beinahe durch eine Gesundheitskrise ausgelöscht worden. Aber diese COVID-bedingte Aussetzung lief 2022 schließlich aus.
Es ist jedoch weitgehend unbekannt, dass die Tradition während einer anderen Gesundheitskrise entstand. Als die französischen Städte im 19. Jahrhundert wuchsen, hatten die Arbeiter längere Wege zu den Fabriken. Die Mittagsmahlzeit, die traditionell zu Hause eingenommen wurde, wurde an den Arbeitsplatz verlegt. Doch in den 1890er Jahren gab es in den Fabriken viele Gesundheitsrisiken. Die Arbeiter aßen ihr Mittagessen in den Fabrikhallen unter unhygienischen Bedingungen.
Verfechter der öffentlichen Gesundheit und die französische Regierung entwickelten daraufhin eine Lösung. Die Menschen sollten zur Mittagspause nach draußen gehen und währenddessen die Fenster öffnen, um die Keime zu vertreiben. Das war die Idee hinter der Verordnung von 1894, die das Mittagessen am Arbeitsplatz ver