Erste Verurteilungen im größten Mafiaprozess Italiens seit Jahrzehnten
Am Samstag wurden in einem eigens dafür umgebauten Gerichtssaal in der kalabrischen Stadt Lamezia Terme die ersten Urteile im größten Mafiaprozess seit Jahrzehnten gesprochen. Im Laufe der nächsten zwei Jahre werden sich 355 mutmaßliche Mafiosi und korrupte Beamte wegen ihrer Rolle in der 'Ndrangheta vor Gericht verantworten müssen. Die Organisation ist die reichste und mächtigste Gruppe des organisierten Verbrechens in Italien.
Die erste Gruppe der Angeklagten entschied sich für ein beschleunigtes Verfahren. Damit können sie ihre Strafen um ein Drittel reduzieren, wenn sie für schuldig befunden werden. Es wurden 70 Mitglieder der mächtigen Mafiaorganisation verurteilt. Die Richter verhängten gegen sechs von ihnen die von der Staatsanwaltschaft geforderte Höchststrafe von 20 Jahren. Weitere 21 Angeklagte wurden freigesprochen.
Geleitet wurde der Fall von Nicola Gratteri. Er kämpft seit Jahrzehnten gegen die italienischen Verbrecherbanden und ist einer der renommiertesten Anti-Mafia-Chefankläger Italiens. Die 'Ndrangheta ist in ein breites Spektrum krimineller Aktivitäten verwickelt, hat sich aber auf den Kokainhandel spezialisiert und kontrolliert schätzungsweise etwa 80 % des europä