Türkei tritt aus Istanbul-Konvention zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen aus
Am vergangenen Samstag hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan per Dekret den Austritt der Türkei aus der sogenannten Istanbul-Konvention verkündet. 2011 hatte die Türkei nach einem einstimmigen Beschluss der Großen Nationalversammlung als erstes Land das „Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“ ratifiziert.
Die öffentliche Debatte um die Konvention erreichte im vergangenen August ihren Höhepunkt. Damals begannen religiöse und konservative Gruppen ihre Lobbyarbeit gegen das Abkommen. Sie behaupteten, die Konvention würde traditionelle Familienwerte zersetzen und Homosexualität normalisieren. Türkische Frauenrechtsgruppen protestierten gegen den Ausstieg aus dem Abkommen.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind mindestens 38 % der Frauen in der Türkei Opfer häuslicher Gewalt. Seit Jahresbeginn wurden laut der Organisation „We Will Stop Femicide“ insgesamt 77 Frauen getötet. Nach Angaben der Gruppe wurden 2020 über 400 Frauen getötet, von denen Dutzende unter verdächtigen Umständen tot aufgefunden wurden.