| Jana: | Heute ist Donnerstag, der 2. September 2021. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres wöchentlichen Programms „News in Slow German“ für Fortgeschrittene! Hallo zusammen! Hallo Michael! Schön, dass du wieder da bist! |
| Michael: | Hallo Jana! Ein herzliches Willkommen an alle unsere Hörer! |
| Jana: | Wir beginnen den ersten Teil unseres Programms mit einer Diskussion darüber, dass die Taliban nach 20 Jahren wieder die Kontrolle über Afghanistan haben. Danach werden wir über die neuen Empfehlungen der Europäischen Union zu Beschränkungen für nicht essenzielle Reisen aus den USA sprechen. Damit reagiert die EU auf einen Anstieg der COVID-19-Fälle in den USA. Im wissenschaftlichen Teil unseres Programms diskutieren wir über eine in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlichte Studie über Kolibri-Weibchen, die Männchen austricksen, um nicht belästigt zu werden. Und zum Schluss sprechen wir über ein neues Schild an der russisch-norwegischen Grenze. |
| Michael: | Vielen Dank, Jana! Weiter geht es mit der Ankündigung für den zweiten Teil unseres Programms, „Trending in Germany“. Worüber werden wir diese Woche sprechen? |
| Jana: | Diese Woche sprechen wir über die Paralympischen Spiele in Tokio, die derzeit stattfinden. Bis zum 5. September 2021 gibt es 539 Wettkämpfe in 22 Sportarten. Wir lernen mehr über den Erfinder dieser erfolgreichen Spiele, Sir Ludwig Guttmann. Wir werden außerdem darüber sprechen, dass die Partei Die Grünen die Anschaffung von Lastenrädern mit je 1.000 Euro subventionieren will. Die anderen Parteien kritisieren diesen Vorschlag. Dabei kann so ein Fahrrad durchaus praktisch sein. |
| Michael: | Klingt gut, Jana. Lass uns beginnen! |
| Jana: | Vielen Dank, Michael. Los geht‘s! |
Am 7. Oktober 2001 begannen die USA und Großbritannien mit dem Einsatz von Kampftruppen in Afghanistan. Im Dezember 2001 schlossen sich ihnen 43 NATO-Verbündete an. Auf dem Höhepunkt des Konflikts überstieg die Zahl der US- und NATO-Soldaten 150.000. Am Montag gaben die USA bekannt, dass die letzten amerikanischen Militärflugzeuge Afghanistan verlassen haben.
Der von den Vereinten Nationen genehmigte Kampfeinsatz wurde am 28. Dezember 2014 für beendet erklärt. Seitdem wurde die Zahl der ausländischen Truppen drastisch reduziert. Im April 2021 waren es nur noch 9.592 Soldaten aus 36 Ländern. Bis Juli hatten die meisten europäischen Truppen Afghanistan verlassen.
Am 2. Juli 2021 verließen die US-Truppen abrupt ihren Luftwaffenstützpunkt Bagram 60 km nördlich von Kabul. Am 15. August nahmen die Taliban Kabul kampflos ein. Die USA und ihre Verbündeten evakuierten rund 120.000 Menschen aus Kabul, bevor sie am 30. August endgültig abzogen. Nach 20 Jahren haben die Taliban jetzt wieder die Kontrolle über Afghanistan übernommen.
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Am Montag hat die EU die USA von der Liste der „sicheren“ Länder mit geringen Coronavirus-Infektionsraten gestrichen. Außerdem empfahl sie ihren Mitgliedsstaaten, Beschränkungen für nicht essenzielle Reisen aus den USA zu verhängen. Die Entscheidung ist eine Reaktion auf den deutlichen Anstieg der täglichen COVID-19-Infektionsfälle in den USA.
In den zwei Wochen vor dem 22. August wurden in den USA 588 neue Fälle pro 100.000 Einwohner registriert. Die Zahl der täglichen Krankenhauseinweisungen überstieg zum ersten Mal seit dem Winter 100.000. Auch die Zahl der Todesfälle ist auf über 1.000 pro Tag gestiegen. Nur etwas mehr als die Hälfte der Amerikaner ist vollständig geimpft.
Die Empfehlung ist nicht bindend, und die Entscheidung über die Verhängung von Beschränkungen bleibt den einzelnen Ländern überlassen. Bis zum Dienstag hatte nur Italien eine Quarantäne für nicht geimpfte Personen verhängt und einen negativen Test für Geimpfte verlangt. Viele Analysten gehen davon aus, dass die meisten potenziellen Beschränkungen nur ungeimpfte Amerikaner betreffen werden.
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Am Donnerstag veröffentlichte die Zeitschrift Current Biology eine neue Studie über Jakobinerkolibris, die eine in der Ornithologie gut etablierte Hypothese in Frage zu stellen scheint. Seit Jahren berufen sich die meisten Wissenschaftler auf die Theorie der sexuellen Selektion. Diese Theorie besagt, dass viele männliche Vögel bunte Federn haben, um für eine Partnerin attraktiv zu sein.
Generell ähneln Jungvögel dem entsprechenden Geschlecht der erwachsenen Vögel. Junge Jakobinerkolibris beider Geschlechter sind jedoch gleich gefärbt und ähneln eher den Männchen. 80 % der erwachsenen weiblichen Vögel entwickeln ein unauffälliges grünes Gefieder, während 20 % weiter wie die Männchen aussehen. Nach der traditionellen Theorie ist die sexuelle Selektion der Grund für die bunten Gefieder von Vögeln.
Das Team fand jedoch heraus, dass die bunt gefiederten Weibchen weniger Aufmerksamkeit von Männchen auf sich zogen als die typischen, grün gefiederten Weibchen. Sexuelle Selektion war also eindeutig nicht der Grund für die Beibehaltung der männlichen Farben. Das Team fand außerdem heraus, dass männliche Kolibris typisch gefärbte Weibchen bevorzugen und männlich aussehende Weibchen sehr viel we
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An einem der meistbesuchten Orte im nördlichsten Teil Norwegens steht jetzt ein neues Schild. Es steht am Ufer des Flusses Jakobselva, der Norwegen von Russland trennt. Auf dem Schild steht in schwarzer Blockschrift auf Englisch: „Pinkeln in Richtung Russland verboten“.
Das Schild in der Nähe der Grenze ist als präventive Botschaft gedacht. Die Grenze verläuft in der Mitte des Baches, und bei Niedrigwasser ist sie nur wenige Meter vom Ufer entfernt. Dem norwegischen Grenzkommissar sind keine besonderen Vorkommnisse bekannt, die die Aufstellung eines solchen Schildes erforderlich gemacht hätten.
Norwegens Sondergesetz über die Grenze zu Russland stammt aus dem Jahr 1950. Nach diesem Gesetz ist beleidigendes Verhalten nicht erlaubt. Verstöße gegen dieses Gesetz können mit Geldstrafen oder mit Haftstrafen von bis zu drei Monaten geahndet werden. Personen, die Steine über die Grenze warfen oder ihre Hände über die Grenze streckten, mussten Geldstrafen von bis zu 772 Euro zahlen. Die wahrscheinliche Reaktion auf ein Pinkeln über die Grenze ist eine Geldstrafe ab 290 Euro.
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| Jana: | Ich bin voll im Geist der Paralympischen Spiele in Tokio. Ich sage dir, was diese körper- und sehbehinderten Athleten da leisten, ist unglaublich. Was für eine Inspiration für uns alle. Das hat mich zu einem Buch geführt. Der Titel: „Verraten-Vertrieben-Vergessen“ von Hartmut Collmann und Daniel Dubinski. Das Buch handelt von einem Arzt, der im Alleingang die Welt verändert hat. Es geht um Sir Ludwig Guttmann, einen Arzt, der die Behandlung von Querschnittsgelähmten revolutioniert hat. Er hat auch die Paralympischen Spiele ins Leben gerufen. Er war ein deutscher Jude, der aus Deutschland fliehen musste. Man müsste seine unglaubliche Lebensgeschichte eigentlich verfilmen. |
| Michael: | Er ist anscheinend wirklich vergessen worden. Ich meine, kaum jemand würde seinen Namen heute kennen. |
| Jana: | Fangen wir mal von vorne an. Guttmann wurde 1899 in Schlesien geboren. Seine Eltern hatten eine Spirituosenfabrik in Königshütte. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs wurde er zunächst Krankenpfleger in einem Kriegskrankenhaus. Dort hatte er viel Kontakt mit verletzten Soldaten und einer von ihnen würde sein Leben verändern. |
| Michael: | Er hatte eine folgenreiche Begegnung mit einem querschnittsgelähmten Soldaten und musste damals mit ansehen, wie dieser qualvoll starb. Dazu muss man wissen, dass die Überlebenschance bei Querschnittslähmungen vor dem Zweiten Weltkrieg verschwindend gering war. Die durchschnittliche Lebenserwartung war ungefähr drei Monate. |
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| Michael: | In Deutschland geht es in die heiße Phase des Wahlkampfes. Denn in ungefähr einem Monat ist die Bundestagswahl. Die Parteien konkurrieren mit Versprechungen und Vorschlägen um Wählerstimmen. So auch die Grünen. Von ihnen kommt der Vorschlag, dass die Anschaffung eines Lastenrades mit je 1000 Euro bezuschusst werden soll. Insgesamt sollen dafür eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt werden. Das hat natürlich eine Debatte ausgelöst. Denn jeder Vorschlag einer Partei wird von den übrigen Parteien meistens zum Anlass genommen, diese Partei zu kritisieren. Besonders, wenn es um viel Geld geht. Auch für die Grünen hagelte es Kritik. Und der „Tagesspiegel“ findet, dass sich das Lastenrad eher eignet, um Kinder, Wocheneinkäufe oder Handwerksausrüstung zu transportieren. Und nicht als Wahlkampfthema. Das schreibt die Zeitung im Artikel „Die Lastenrad-Debatte lebt vom Popcorn-Faktor“ vom 23. August. |
| Jana: | Was soll denn „Popcorn-Faktor“ bedeuten? |
| Michael: | Das heißt, nicht das Thema an sich ist spannend, sondern die Reaktionen der Parteien auf den Vorschlag. Die Zuschauer – also die Wähler – lehnen sich gemütlich zurück und genießen die Show mit einer Tüte Popcorn. |
| Jana: | Dabei finde ich aber, dass der Vorschlag in die richtige Richtung geht. So ein Lastenrad ist schon praktisch. Besonders in der Stadt. Eltern können damit zum Beispiel ihre Kinder samt Spielzeug und Kleidung zur Kita fahren und brauchen kein Auto. Und kleine Handwerksbetriebe können ihre Ausrüstung transportieren. |
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