| Jana: | Heute ist Donnerstag, der 23. März 2023. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres wöchentlichen Programms „News in Slow German“ für Fortgeschrittene! Hallo zusammen! Hallo Michael. |
| Michael: | Hallo Jana! Hallo allerseits! |
| Jana: | Wir beginnen den ersten Teil unseres Programms mit einigen Nachrichten, die diese Woche Schlagzeilen gemacht haben. Als Erstes sprechen wir über die anhaltenden Proteste in Frankreich gegen die von Präsident Emmanuel Macron vorgeschlagene Reform des Rentenalters. Danach werden wir über die Massenproteste in Israel gegen die von der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vorgeschlagene Justizreform diskutieren. Im wissenschaftlichen Teil unseres Programms sprechen wir dann über die Bedenken von Wissenschaftlern und Tierschutzorganisationen gegen die geplante kommerzielle Oktopus-Farm in Spanien. Und zum Schluss kommentieren wir die Entscheidung eines US-Berufungsgerichts, wonach die Bezeichnung „Gruyère“ nun auch für Käse verwendet werden darf, der nicht aus der Region Gruyère in der Schweiz und Frankreich kommt. |
| Michael: | Vielen Dank, Jana. Weiter geht es mit dem zweiten Teil unseres Programms, „Trending in Germany“, wo wir heute darüber sprechen, dass die Bayerische Staatsgemäldesammlung behauptet, dass Picassos berühmtes Gemälde Madame Soler keine NS-Raubkunst gewesen sei. Das sehen die Erben des ehemaligen Besitzers, Paul von Mendelssohn-Bartholdy, ganz anders. Außerdem sprechen wir über die Forderung nach einem bundesweiten Rauchverbot in Restaurants in Deutschland. Die Meinungen dazu sind geteilt. |
| Jana: | Sehr gut, Michael. Wir wollen mit unserer ersten Nachrichtenstory beginnen. |
Die französische Regierung steckt wegen der von Präsident Emmanuel Macron vorgeschlagenen Rentenreform in einer Krise. Die Regierung will das Renteneintrittsalter von 62 auf 64 Jahre anheben und sagt, dies sei notwendig, um Frankreichs angesehenes Rentensystem zu erhalten. Das System basiert auf einem einzigen Fonds, in den Arbeitnehmer einzahlen und aus dem Rentner Geld beziehen.
Die französische Öffentlichkeit glaubt Präsident Macron jedoch nicht so recht. Stattdessen glauben sie eher den extremen Linken und den extremen Rechten. Diese argumentieren, dass keine Dringlichkeit bestehe und dass die Rentenfinanzen nicht so schlecht seien, wie sie von Macron dargestellt werden. Daher lehnen die Franzosen die Reform weiter mit einer Mehrheit von 70 % zu 30 % ab.
Die Opposition hat die Verabschiedung der vorgeschlagenen Reform im Parlament unmöglich gemacht. Das zwang Präsident Macron, sich auf den 1958 eingeführten Artikel 49.3 der französischen Verfassung zu berufen. Dieser Artikel erlaubt es dem französischen Premierminister, einseitig Gesetze zu verabschieden, die die finanzielle und soziale Sicherheit Frankreichs betreffen.
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Seit 11 Wochen gibt es in Israel Proteste gegen die geplanten Gesetzesänderungen der Regierung zur Justizreform. Bis zu einer halben Million Israelis sind auf die Straße gegangen. Angeblich soll die israelische Justizreform die Machtverhältnisse im Land ausgleichen. Im Wesentlichen geht es darum, den Einfluss der Justiz auf die Gesetzgebung einzuschränken und die Macht der Legislative zu stärken.
Nach Ansicht der Opposition bedroht die Justizreform jedoch die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit in Israel. Kritiker argumentieren, dass die Reformen die Unabhängigkeit der Justiz und die Gewaltenteilung untergraben werden. Die Reform würde es der Regierung ermöglichen, Gesetze zu erlassen, die gegen die bürgerlichen Freiheiten und die Menschenrechte verstoßen.
US-Präsident Joe Biden äußerte am Sonntag in einem Telefongespräch mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seine Bedenken. Am Montag kündigte die israelische Regierung eine Abschwächung der umstrittenen Reformpläne an und machte ein Zugeständnis, das ihr weniger Macht bei der Auswahl neuer Richter geben würde. Die Oppositionsführer bezeichneten dieses Zugeständnis jedoch als unzureichend und versprachen, die Reformpläne weiter
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Das spanische Unternehmen Nueva Pescanova plant die Eröffnung der weltweit ersten Oktopus-Farm. Die Farm wird sich auf den Kanarischen Inseln in Spanien befinden. Dort sollen jährlich bis zu einer Million Oktopusse für den menschlichen Verzehr gezüchtet werden. Der Plan löste jedoch eine Welle von Protesten von Wissenschaftlern und Tierschutzgruppen aus.
Oktopusse sind Einzelgänger und leben in dunklem Wasser. Sie gelten weithin als sehr intelligent. Deshalb haben die vorgeschlagenen Zucht- und Schlachtverfahren große Bedenken und Proteste ausgelöst. Das Unternehmen plant, die Tiere in großen Tanks zusammenzupferchen, die permanent beleuchtet sind. Zur Tötung sollen sie in eiskaltes Wasser getaucht werden.
Frei lebende Oktopusse werden mit Töpfen, Leinen und Fallen gefangen. Sie werden weltweit als Delikatesse geschätzt. Sie wurden noch nie kommerziell gezüchtet. Deshalb gibt es keine Tierschutzvorschriften. Studien deuten darauf hin, dass das Tauchen in Eiswasser einen langsamen, qualvollen und stressigen Tod bedeutet, insbesondere für intelligente Arten wie Oktopusse.
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Anfang dieses Monats hat ein US-Berufungsgericht eine Entscheidung des US-Patent- und Markenamts zur Kennzeichnung von Käse bestätigt. Das Gericht entschied, dass die Bezeichnung „Gruyère“ zur Kennzeichnung von Käse verwendet werden darf, der nicht aus der Region Gruyère in der Schweiz und Frankreich kommt.
Gruyère wird seit fast eintausend Jahren in einer Alpenregion zwischen der Schweiz und Frankreich hergestellt. In Europa ermöglichten diese Tradition und die besondere Region die Einführung einer geschützten Bezeichnung für Gruyère-Käse. Nach Ansicht des US-Gerichts bezieht sich „Gruyère“ jedoch lediglich auf eine Käsesorte, was den Begriff zu einer generischen Bezeichnung macht.
Der Rechtsstreit um die Bezeichnung „Gruyère“ dauert schon einige Jahre an. 2015 forderten die schweizerischen und französischen Berufsverbände der Gruyère-Hersteller das US-Patent- und Markenamt auf, zu bescheinigen, dass nur Käse aus der Region Gruyère auch als Gruyère bezeichnet werden darf. Gegen die Weigerung des US-Patent- und Markenamts wurde Berufung eingelegt, aber das Gericht hat die Entscheidung nun bestätigt.
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| Jana: | Wie wir alle wissen, war die Nazi-Dikatur eine in der Geschichte einmalige Verbrechens- und Gewaltherrschaft. Ein Aspekt waren die räuberischen Qualitäten des Regimes, das Kunstwerke aus allen besetzten Gebieten stahl und insbesondere Juden systematisch beraubte und sie häufig dazu zwang, ihre Kunstwerke für Spottpreise zu verkaufen. Die Bundesrepublik Deutschland hat die Washingtoner Erklärung vom 3. Dezember 1998 unterschrieben, die sich für die Rückführung der Raubkunst an die Erben einsetzt. Dennoch ist es in Deutschland bequemerweise nicht legal, verjährte Herausgabeansprüche gerichtlich einzuklagen. Nazi-Raubkunst hängt mittlerweile in unzähligen Museen nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt. Ein solcher Fall ist Picassos Madame Soler. Kennst du diesen Fall, Michael? |
| Michael: | Ja. Madame Soler ist ein Gemälde aus Picassos sogenannter „blauen Phase“ aus dem Jahr 1903. Das war zu einer Zeit, als er noch realistisch-expressionistische Bilder malte. Der Fall ist komplex und durchaus kontrovers. |
| Jana: | Ach ja? |
| Michael: | Ja. Paul von Mendelssohn-Bartholdy hatte das Gemälde 1934 mit vier anderen an die Schweizer Niederlassung eines bekannten jüdischen Kunsthändlers namens Thannhauser geschickt. Zwischen 1933 und 35 verkaufte Mendelssohn-Bartholdy in etwa 15 Gemälde. Er starb kurz darauf an einem Herzinfarkt. Thannhauser selbst floh dann mit Gemälden zuerst nach Frankreich und später in die USA. Die Bayerische Staatsgemäldesammlung kaufte das Gemälde dann von Thannhauser ganz legal in den 60er Jahren für 1,6 Millionen Mark, und es ist seither in der Pinakothek zu sehen. |
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| Michael: | In Deutschlands Bars und Restaurants herrscht ein ziemlicher Flickenteppich an Regelungen, was das Rauchen in Innenräumen angeht. In einigen Bundesländern gilt ein generelles Rauchverbot in allen gastronomischen Einrichtungen. In anderen Ländern wiederum gibt es Ausnahmen für abgetrennte Nebenräume und Ein-Raum-Raucherkneipen. Die Nichtraucher-Initiative Deutschland fordert nun ein bundesweites striktes Rauchverbot für die Gastronomie. Nichtraucher würden von rauchenden Partnern oder Freunden genötigt, mit in die Raucherkneipe zu kommen. Es herrsche also ein Gruppenzwang. „Striktes Rauchverbot für die Gastro? Was für ein Quatsch!“, ist der Titel eines Kommentars aus der „BZ“ vom 13. März. Nichts gehe über ein, zwei oder drei gemütliche Kippchen zum Glas Wein. Und der springende Punkt sei doch: Wenn jemand das Gefühl hätte, unter Gruppenzwang zu stehen, dann hätte er die falschen Freunde oder den falschen Partner. |
| Jana: | Kein Wunder, dass dieser Einwand aus Berlin kommt. Nirgendwo sonst gibt es so viele kleine gemütliche Eckkneipen. |
| Michael: | Mich stören Raucherkneipen nicht. Im Gegenteil: Obwohl ich nicht rauche, finde ich es sogar irgendwie gemütlicher dort. |
| Jana: | Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Wenn es nach mir ginge, sollten Raucher nur noch draußen rauchen dürfen. |
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