| Jana: | Heute ist Donnerstag, der 23. Januar 2020. Herzlich willkommen zu unserer wöchentlichen Ausgabe von „News in Slow German“! Hallo liebe Hörer! Hallo Michael! |
| Michael: | Hallo Jana! Hallo zusammen! |
| Jana: | Im ersten Teil unseres Programms werden wir einige Nachrichten besprechen, die in dieser Woche international für Schlagzeilen gesorgt haben. Wir beginnen mit dem Rücktritt der russischen Regierung als Reaktion auf Präsident Putins Pläne zur Konsolidierung seiner Macht. Anschließend sprechen wir über den Ausbruch eines neuen Coronavirus in China, der weltweit ernste Besorgnis hervorruft. Danach werden wir uns über eine in der Zeitschrift Neurology veröffentlichte Studie unterhalten, die zeigt, dass englisch- und italienischsprachige Personen unterschiedlich von demenzbezogenen Sprachproblemen betroffen sein können. Und zum Schluss sprechen wir über ein Gemälde, das letzten Monat in Italien gefunden wurde und als ein echter Gustav Klimt bestätigt wurde, der vor einiger Zeit gestohlen worden war. |
| Michael: | Im zweiten Teil unseres Programms geht es dann weiter mit unserer Rubrik „Trending in Germany“. |
| Jana: | Diese Woche sprechen wir über die Kontroverse, ob Deutschland türkische Schulen im Land zulassen sollte. Es gibt derzeit drei deutsche Schulen in der Türkei und die türkische Regierung besteht auf Gegenseitigkeit. Außerdem sprechen wir über die Ablehnung eines neuen Gesetzes durch den Bundestag, das die Zahl der Organspenden in Deutschland erhöhen sollte. |
| Michael: | Klingt gut, Jana! |
| Jana: | Vielen Dank, Michael. Beginnen wir mit den internationalen Nachrichten! |
Am 15. Januar gab Russlands Ministerpräsident Dimitrij Medwedew seinen Rücktritt und den Rücktritt der gesamten russischen Regierung bekannt. Damit reagierte Medwedew auf Präsident Wladimir Putins Ankündigung weitreichender Reformen, die dessen Macht über das Ende seiner Präsidentschaft hinaus verlängern könnten.
Die Nationale Gesundheitskommission Chinas hat am vergangenen Montag bestätigt, dass ein neuer, bisher unbekannter Stamm des Coronavirus, der eine Art Lungenentzündung verursacht, von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Das Virus war erstmals im Dezember letzten Jahres auf einem Fischmarkt in Wuhan, einer 11-Millionen-Stadt im Zentrum Chinas, aufgetreten. Seither hat es fast 300 Menschen infiziert, wobei die tatsächliche Zahl vermutlich viel höher ist. Chinas Spitzenpolitiker haben untergeordnete Behörden angewiesen, neue Fälle der Krankheit nicht zu vertuschen.
In den staatlichen Medien wurde berichtet, dass mindestens 17 Menschen an dem Virus gestorben sind. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will prüfen, ob ein internationaler Notstand ausgerufen werden sollte. Gegenwärtig gibt es Fälle in allen größeren Städten Chinas, sowie zwei Fälle in Thailand, einen in Japan, einen in Süd
Eine am 10. Januar in der Zeitschrift Neurology veröffentlichte Studie von Forschern der Universität von Kalifornien zeigt, dass englisch- und italienischsprachige Personen unterschiedlich von demenzbezogenen Sprachproblemen betroffen sind.
Im Mittelpunkt der Studie standen 20 englischsprachige und 18 italienischsprachige Patienten mit dem gleichen Schweregrad einer Krankheit, die als primär progrediente Aphasie (PPA) bezeichnet wird. PPA ist eine neurodegenerative Erkrankung, die zum Verlust der Sprachfähigkeit führt und das Sprachverständnis und die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben beeinträchtigt. Aphasie kann durch Schädeltrauma, Schlaganfälle und Infektionen ausgelöst werden, ist aber auch ein häufiges Merkmal von Menschen mit Alzheimer oder anderen Demenzkrankheiten. Zwischen den beiden Gruppen gab es Unterschiede, wenn die Patienten versuchten, eine Reihe von Sprachaufgaben ausz
Letzten Monat haben Gärtner in der Außenwand einer Galerie in der norditalienischen Stadt Piacenza durch Zufall das Gemälde „Bildnis einer Frau“ von Gustav Klimt gefunden. Das Gemälde war 1997 aus dieser Galerie gestohlen worden und galt als verschollen.
Experten haben die Echtheit des Gemäldes durch den Vergleich von Infrarotbildern mit Bildern, die 1996 gemacht wurden, bestätigt. Das Gemälde wurde in einer schwarzen Plastikmülltüte gefunden und überstand die Zeit in seinem Versteck relativ unbeschadet. Weitere Tests werden zeigen, ob das Gemälde die ganze Zeit dort versteckt war. Das Porträt wurde 1916/17 gemalt und hat einen geschätzten Wert von mindestens 60 Millionen Euro. Das Gemälde wurde gestohlen, als die Galerie eine Sonderausstellung vorbereitete. Der Rahmen des Gemäldes wurde auf dem Dach gefunden und erweckte den falschen Eindruck, dass die Diebe durch ein Oberlicht eingebroc
| Jana: | Die Bundesrepublik verhandelt seit mindestens einem halben Jahr um türkische Auslandsschulen in Deutschland. Als mögliche Orte werden häufig Köln, Frankfurt und Berlin ins Spiel gebracht. In der Welt gibt es momentan 140 anerkannte deutsche Auslandsschulen, inklusive drei in der Türkei. Im Gegenzug unterhalten auch viele andere Staaten in Deutschland Schulen, wogegen ja überhaupt nichts einzuwenden ist. Deutschland hat mit 20 Staaten ein derartiges Abkommen und die Türkei will jetzt eben auch dazugehören. Allerdings hat die Aussicht, bald türkische Schulen in Deutschland zu haben, in der deutschen Bevölkerung Alarm und große Aufregung ausgelöst. |
| Michael: | Was du nicht sagst ... |
| Jana: | Ich frage dich gleich nach deiner, wie immer starken, Meinung, Michael. Lass mich erstmal die Einführung des Themas abschließen. Die Kritik an potenziellen türkischen Schulen war groß. Zum einen hört man oft, dass es sich bei der Türkei mittlerweile um ein autoritäres Regime handelt, das von einem Demagogen geführt wird, der keine Kritik duldet. Kritiker befürchten eine Indoktrination der Schüler, die mit westlichen Werten unvereinbar ist. Auch Befürchtungen, dass es damit noch schwieriger wird, die türkische Bevölkerung in Deutschland zu integrieren, hört man oft. Ich habe hier einen Meinungsartikel aus der „Welt“ vom 11.1. 2020 vorliegen. In dem Artikel „Türkische Schulen, warum nicht?“ argumentiert Jacques Schuster, dass ein Verbot einer türkischen Schule einer weltoffenen Gesellschaft wie Deutschland nicht würdig ist. Solche Schulen müssten strenge Auflagen erfüllen, aber dann gäbe es keinen Grund, diese Schulen nicht zuzulassen, obwohl Erdogan ein Demagoge sei. Jetzt bist du dran. |
| Jana: | Die im europäischen Vergleich niedrige Anzahl an Organspendern in Deutschland hat zu einer Debatte und zu einer neuen Gesetzesinitiative geführt. In der Bundesrepublik muss man aktiv zustimmen, Organspender zu sein und willigt damit ein, seine Organe nach dem Tod zu spenden. Ein Vorstoß von Gesundheitsminister Spahn sollte diese Regelung umkrempeln. Er hat eine Widerspruchslösung vorgeschlagen, bei der jeder Deutsche automatisch ein Organspender ist, es sei denn, man legt aktiv Widerspruch ein. Damit soll die niedrige Quote erhöht werden. Dieses Gesetz wurde vom Bundestag jedoch abgelehnt. „Die Zeit“ berichtet in ihrer vierten wöchentlichen Ausgabe 2020 in einem Artikel mit dem Titel „Ein Herz für den Zwang“ über diese Debatte und findet, dass sie auf zu simplen Annahmen beruht. Zwar haben viele andere europäische Staaten, die die Organspende mit Widerspruchslösung geregelt haben, einen höheren Prozentsatz an Organspendern innerhalb der Bevölkerung, man sollte daraus allerdings nicht zu voreilig Schlüsse ziehen. Ob und wie viele Organe transplantiert werden, hängt nicht nur von einem Gesetz ab. |